Klimaschutz in Weilheim
- Morten Faust
- 6. März
- 4 Min. Lesezeit
Die Initiative Weilheim kann Klima hat mich kürzlich um Aussagen zu folgenden Fragen gebeten:
1. Halten Sie an der Klimaneutralität 2035 fest und wenn ja, wie möchten Sie das umsetzen?
2. Halten Sie die Renaturierung des Weilheimer Moores für sinnvoll. Wenn ja, welche Maßnahmen würden Sie dafür ergreifen?
3. Was halten Sie vom Konzept der Schwammstadt, um Wasser im Boden zu halten und Hochwasserschäden vorzubeugen Wie würden Sie es umsetzen?
4. Seit 2022 gibt es das Radverkehrskonzept für Weilheim. Halten Sie daran fest, und was wollen Sie in der kommenden Legislaturperiode dafür tun? Inwieweit halten Sie Tempo 30 für sinnvoll?
Hier sind meine Antworten. Dazu gibt es auch ein kurzes Video.
1. Klimaneutralität 2035
Meine Position: Ehrlichkeit statt Symbolpolitik.
Klimaneutralität 2035 ist für Weilheim nicht erreichbar – jedenfalls nicht mit Mitteln, die das Gebot der Verhältnismäßigkeit respektieren. Es war wohl auch nie als echtes Ziel gedacht, sondern als symbolisches Zeichen. Ich setze stattdessen auf verbindliche, realistische Ziele, die ein effizientes Management der Stadtverwaltung ermöglichen.
Meine Prioritäten aus dem Klimaschutzkonzept:
Wärmeplanung umsetzen
Die kommunale Wärmeplanung steht, das Fernwärmenetz befindet sich im Aufbau. Die laufenden Untersuchungen zu den Potenzialen der Geothermie müssen zügig zu belastbaren Ergebnissen führen – hier liegt eine große Chance für eine klimafreundliche und langfristig preisstabile Wärmeversorgung. Jetzt gilt es, die Umsetzung nach streng betriebswirtschaftlichen Maßgaben voranzutreiben. Die Stadtwerke müssen hier Transparenz schaffen.
Ladeinfrastruktur ausbauen
Stadtteile mit hohem Mietwohnungsanteil brauchen bessere Versorgung. Auch der Fernverkehr benötigt Schnellladekapazitäten nahe der B2 in Weilheim. Ich will Wettbewerb zulassen – große Anbieter und Energieversorger einbeziehen, statt alles den Stadtwerken zu überlassen. Die Stadtverwaltung muss bei Flächen und Genehmigungen zügig handeln.
Klimaanpassung priorisieren
Hochwasser- und Hitzeschutz werden die zentralen Herausforderungen für Stadt und Haushalt in den nächsten Jahren.
Hochwasserschutz: Statt teurer Rückhaltebecken setze ich auf viele kleine, kostengünstige Maßnahmen: Versickerung vor Ort, Entsiegelung, Umbau öffentlicher Wege zur Verminderung der Abflussbeschleunigung. So werden Hochwasserspitzen abgeflacht – in Weilheim, Deutenhausen und Marnbach.
Hitzeschutz: Mit zunehmenden Hitzeperioden müssen wir vor allem vulnerable Gruppen schützen – ältere Menschen und Kinder. Konkret bedeutet das:
Stadtbäume erhalten und pflanzen: Jeder Baum ist eine natürliche Klimaanlage. Bei Neuplanungen muss ausreichend Platz für Bäume von Anfang an mitgedacht werden.
Begrünung fördern: Fassaden- und Dachbegrünung verbessern das Mikroklima erheblich. Hier können wir private Initiative durch Beratung und schlanke Genehmigungsverfahren unterstützen.
Schattige Aufenthaltsorte schaffen: Spielplätze, Schulhöfe und öffentliche Plätze brauchen ausreichend Beschattung – durch Bäume oder, wo das nicht möglich ist, durch Sonnensegel.
Trinkwasserbrunnen: An zentralen Orten im Stadtgebiet sollten mehr öffentliche Trinkwasserspender verfügbar sein.
Klimaquartier errichten
Meine Vision für nachhaltiges Bauen in Weilheim: Ein Klimaquartier als Neubaugebiet oberhalb einer gedeckelten Umfahrungsstraße (B2). Das Quartier dient in erster Linie der dringend benötigten Schaffung von Wohnraum – soll aber von Anfang an nach zukunftsweisenden Prinzipien geplant werden:
Klimaneutrale Energiegewinnung und effiziente Wärmeversorgung
Intelligentes Niederschlagsmanagement nach dem Schwammstadt-Prinzip
Grüne Oasen und Frischluftschneisen für ein gesundes Mikroklima
Reduzierter Anteil motorisierten Individualverkehrs durch autoarme Quartierplanung
Mobility Hubs als zentrale Knotenpunkte für Carsharing, Fahrradverleih und ÖPNV-Anbindung
So entsteht ein Modellprojekt, das zeigt: Wohnungsbau und Klimaschutz sind kein Widerspruch – sondern können sich gegenseitig verstärken.
2. Renaturierung des Weilheimer Mooses
Meine Position: Ja zur Renaturierung – aber nicht auf Kosten landwirtschaftlicher Existenzen.
Die Vermeidung von Treibhausgasen durch Moorrenaturierung ist sinnvoll. Allerdings dürfen die Existenzen der Eigentümer und Pächter nicht gefährdet werden. Die Stadt sollte beratend unterstützen, etwa bei einer Umstellung auf Paludikulturen.
Mein Grundprinzip: In Anbetracht der prekären Haushaltslage muss gefragt werden: Wie hoch sind die CO₂-Vermeidungskosten bei der Renaturierung im Vergleich zu anderen Maßnahmen?
3. Schwammstadt-Konzept
Meine Position: Praktischer Hochwasserschutz statt teurer Großprojekte.
Das Schwammstadt-Konzept entspricht genau meinem Ansatz zur Klimaanpassung: Viele kleine, kostengünstige Maßnahmen sind wirksamer und wirtschaftlicher als wenige teure Großprojekte wie Rückhaltebecken.
Konkret setze ich auf:
Dezentrale Versickerung: Niederschlag dort versickern lassen, wo er auftritt. Das erhöht die Pufferwirkung des Bodens und flacht Hochwasserspitzen ab.
Entsiegelung fördern: Jede entsiegelte Fläche hilft. Private Haushalte sollten wir dabei unterstützen – etwa durch vereinfachte Genehmigungen oder gezielte Beratung.
Öffentliche Flächen umgestalten: Straßen in den Ortsteilen und Wege im Stadtwald sollten so umgebaut werden, dass sie die Abflussbeschleunigung vermindern statt verstärken.
Grünflächen als Wasserspeicher: Parks, Sportplätze, Baumscheiben und Grünstreifen können bei entsprechender Gestaltung erhebliche Wassermengen aufnehmen.
Mein Grundsatz: Die Stadt muss mit gutem Beispiel vorangehen, aber nicht alles selbst finanzieren. Wir brauchen Anreize für private Initiative und müssen bürokratische Hürden abbauen, damit Entsiegelung und Begrünung auch für Eigentümer attraktiv werden.
4. Radverkehrskonzept und Tempo 30
Meine Position: Sicherheit vor Prestige – Kinder zuerst.
Das Radverkehrskonzept ist umfangreich und sinnvoll. Bei der Umsetzung braucht es aber klare Priorisierung: Gefahrenschwerpunkte zuerst, nicht teure Prestigeprojekte.
Konkretes Beispiel: Die Kreuzung Prälatenweg/Waisenhausstraße muss dringend umgebaut werden – unsere Kinder müssen sicher zur Schule radeln können. Diese Maßnahme hat Vorrang vor dem weiteren Ausbau des Prälatenwegs zur Fahrradstraße.
Tempo 30
Auch hier gilt mein Grundsatz: Wo Gefahrenschwerpunkte sind und ein Tempolimit hilft – sofort umsetzen. Kein Dogma, sondern pragmatische Entscheidungen im Einzelfall.
Abseits der Orte, wo eine klare Trennung der Verkehrsmittel erforderlich ist, setze ich auf Shared Spaces. Dieses Konzept fördert gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer und kann gerade in Wohngebieten und Nebenstraßen wirksamer sein als starre Tempolimits und Beschilderung.



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